Künstliche Intelligenz ist gerade dabei, weite Unternehmensteile – insbesondere den Vertrieb – grundlegend zu verändern. Kundengewinnung, -bindung und Conversions werden durch fortschreitende intelligente Automatisierung und Analysen geprägt, was neben großen Vorteilen auch einige Herausforderungen mit sich bringt.
Wir zeigen dir in diesem Beitrag, wie sich CRM-Systeme durch künstliche Intelligenz verändern, welche Tools schon jetzt mit KI-Funktionen überzeugen können und wie du die richtige Lösung für dein Unternehmen auswählst.
Was ist ein KI-CRM?
KI-CRM (Customer Relationship Management) bezeichnet Kundenbeziehungsmanagement-Software, die künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen zur Verbesserung von Datenpflege, Automatisierung und personalisierten Kundeninteraktionen nutzt. Die KI soll dabei vor allem repetitive Aufgaben vereinfachen und direkt Insights für Entscheidungen liefern, um Kundenbeziehungen für Unternehmen effizienter zu gestalten.
Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz für CRM-Systeme?
Im Kundenbeziehungsmanagement müssen häufig viele Daten, Prozesse und Ableitungen daraus überblickt werden. KI-gestützte CRM-Software kann hierbei folgende Aufgaben vereinfachen oder sogar komplett übernehmen:
- Datenanalyse: KI kann große Mengen an Kundendaten aus verschiedenen Quellen auswerten und Zusammenhänge erkennen, die manuell kaum sichtbar sind. So entstehen fundierte Einblicke in Verhalten, Präferenzen und Potenziale von Kund:innen.
- Prognosen: Auf Basis historischer und aktueller Daten kann KI Vorhersagen treffen, etwa zur Abschlusswahrscheinlichkeit von Leads, zu Abwanderungsrisiken oder zum erwarteten Umsatz. Anhand dessen können Menschen in der Bewertung leichter Entscheidungen treffen.
- Automatisierung: KI übernimmt wiederkehrende Aufgaben wie Lead-Priorisierung, Ticket-Zuordnung oder das Auslösen von Workflows. Dadurch laufen Prozesse schneller, konsistenter und mit weniger manuellem Aufwand ab.
- Personalisierung: KI-gestützte CRM-Systeme passen Inhalte, Angebote und den Zeitpunkt der Kundenansprache individuell an einzelne Kund:innen an. Das erhöht die Relevanz der Interaktionen über Marketing, Vertrieb und Service hinweg.
- Unterstützung: Im Arbeitsalltag liefert KI konkrete Handlungsempfehlungen. Zum Beispiel welche Schritte im Vertriebsprozess als Nächstes anstehen oder welche offenen Aufgaben noch zu erledigen sind. Vertriebs-Teams und IT-Abteilungen werden dadurch im Tagesgeschäft entlastet und können sich auf die datenbasierte Arbeit konzentrieren.
KI-CRM vs. traditionelles CRM: Was ist der Unterschied?
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Merkmal |
Traditionelles CRM |
KI-CRM |
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Datenverarbeitung |
Die Erfassung von Kundendaten wird meist durch manuelle Eingaben unterstützt |
KI reduziert den menschlichen Aufwand, indem sie die Datenerfassung und -analyse automatisiert |
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Automatisierung |
Grundlegende Aufgabenplanung |
Automatisierte Workflows, Chatbots und dynamische E-Mail-Antworten |
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Kundenansprache |
Feste Intervalle für Kundenansprachen und Follow-ups |
Folgemaßnahmen und Nachrichten werden nach der Kundenabsicht personalisiert |
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Berichte |
Reaktive Berichterstattung basierend auf Daten aus der Vergangenheit |
Proaktive Berichterstattung mit Maßnahmen- und Verkaufsprognosen |
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Lead-Scoring |
Statische Regeln basieren meist auf vordefinierten Kriterien |
Bewertung der Lead-Qualität auf Basis von Verhaltens- und Engagement-Prognosen |
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Entscheidungsfindung |
Menschliche Eingabe bedingt höhere Wahrscheinlichkeit von Folgefehlern |
KI schlägt Vertriebsteams Maßnahmen anhand von Echtzeitdaten vor |
Lesetipp: Welchen Stellenwert Cloud-CRMs im Kundenbeziehungsmanagement haben, erfährst du in diesem Beitrag.
10 CRM-Tools mit KI-Funktionen
- HubSpot
- Salesforce Sales Cloud
- SAP Sales Cloud
- Zoho CRM
- Microsoft Dynamics 365 Sales
- Pipedrive
- Freshsales
- monday CRM
- Zendesk Sell
- Copper CRM
1. HubSpot
HubSpot bündelt seine KI-Funktionen unter „Breeze“. Dazu gehören ein KI-Assistent für Texte (zum Beispiel E-Mails, Landingpages oder Antworten im Service), Zusammenfassungen und Unterstützung bei Routineaufgaben im CRM. Je nach Hub können außerdem Funktionen wie Prognosen und (prädiktives) Lead-Scoring dazukommen, um Pipeline-Entscheidungen schneller treffen und Prioritäten besser setzen zu können.
2. Salesforce Sales Cloud
Salesforce setzt auf „Einstein“ als KI-System im CRM: Auch hier bekommst du generative Unterstützung für E-Mails oder Service-Antworten, aber auch durch automatisierte Klassifizierung und Prognosen sowie einen Copilot-Ansatz, der per Spracheingabe Fragen beantworten und nächste Schritte vorschlagen kann. Die Stärke liegt vor allem in Enterprise-Setups: viel Anpassbarkeit, tiefe Einbindung in Daten/Metadaten und starke Governance-Logik für größere Unternehmen.
3. SAP Sales Cloud (Version 2)
SAP positioniert „Joule“ als generativen KI-Copiloten in seiner Sales Cloud: Du kannst in natürlicher Sprache Informationen abrufen, Aufgaben anstoßen und Empfehlungen für Deal-Entscheidungen erhalten. Die Spezialisierung liegt klar auf strukturierten Sales-Prozessen in Unternehmen, die ohnehin SAP nutzen und KI-Nutzung mitsamt Empfehlungen zur Deal-Steuerung direkt in ihren CRM-Workflow integrieren wollen.
4. Zoho CRM
Zoho setzt mit „Zia“ stark auf eine breite Palette an KI-Funktionen innerhalb der CRM-Plattform: von Vorhersagen und datenbasierten Auswertungen bis zu einem KI-Interface für Abfragen und klassischer Content-Unterstützung. Auffällig ist die zusätzliche Ausrichtung auf praktische Datenarbeit, zum Beispiel das Extrahieren und Zuordnen von Informationen aus Bildern (Vision AI/ICR), was bei Teams hilfreich ist, die viele Dokumente oder Bildmaterial in Prozesse einspeisen.
5. Microsoft Dynamics 365 Sales
Dynamics 365 kombiniert CRM-Daten mit Microsoft-365-Kontext (Outlook, Teams) und Copilot-Funktionen. Microsofts CRM-Lösung bringt typische Meeting- und E-Mail-Zusammenfassungen, Hilfe beim Formulieren von Nachrichten sowie KI-gestützte Hinweise zur Opportunity (z.B. Deal-Risiken, nächste Schritte) mit. Der Spezialisierungsgrad ist dann besonders hoch, wenn dein Team ohnehin stark im Microsoft-Ökosystem arbeitet und dir KI im direkten Kommunikationsfluss die größten Vorteile bringt.
6. Pipedrive
Pipedrive fokussiert den Einsatz von KI vor allem auf umsetzbare Vertriebsunterstützung im Tagesgeschäft. Der AI Sales Assistant soll Aktivitäten priorisieren, „heiße“ Leads sichtbar machen und Hinweise liefern, wo du im Funnel nachschärfen solltest. Damit ist Pipedrive besonders interessant, wenn du ein schlankes, sales-zentriertes CRM willst, bei dem KI eher auf konkrete Pipeline-Aktionen als auf komplexe Enterprise-Setups einzahlt.
7. Freshsales
Freshworks’ Freshsales bringt mit „Freddy AI“ einen stark produktivitätsorientierten KI-Ansatz mit: Unterstützung beim Finden potenzieller Kund:innen, beim Erstellen personalisierter E-Mails und bei Insights, die helfen sollen, Deals schneller voranzubringen. Dabei sind die KI-Tools schnell nutzbar sowie nah an Kommunikation und Pipeline, ohne dass du zuerst ein riesiges Data-Science-Projekt brauchst.
8. monday CRM
monday CRM setzt KI sehr pragmatisch für die Alltagsarbeit ein: E-Mails verfassen, Aktivitäten und E-Mail-Verläufe zusammenfassen, sowie Felder/Spalten automatisch mit Kundeninformationen befüllen. Die Spezialisierung liegt damit klar auf „Operations und Teamfluss“: KI hilft, CRM-Arbeit schneller zu dokumentieren und Informationen konsistent zu halten, vor allem wenn du stark auf vollständige Boards, Workflows und teamübergreifende Zusammenarbeit setzt.
9. Zendesk Sell
Zendesk Sell erweitert das klassische Vertriebs-CRM durch eine Integration von KI-Funktionen, die stark auf die Verzahnung von Sales und Support ausgerichtet sind. Künstliche Intelligenz analysiert Interaktionsdaten aus verschiedenen Kanälen und hilft dabei, Verkaufschancen im Kontext laufender oder vergangener Support-Anfragen besser einzuordnen. Zusätzlich unterstützt sie bei Prognosen, Pipeline-Analysen und der Priorisierung von Leads. Die Spezialisierung liegt vor allem darin, Vertriebsentscheidungen enger an die reale Customer Experience im Service koppeln zu können.
10. Copper CRM
Copper ist speziell auf die Nutzung innerhalb des Google-Ökosystems ausgelegt und nutzt KI in CRM, um die Arbeit möglichst unauffällig im Hintergrund zu erledigen. Die KI erkennt automatisch Kontakte und Aktivitäten aus Gmail, Google Calendar und weiteren Google-Tools und pflegt diese im CRM. Zusätzlich unterstützt sie bei der Strukturierung von Kundeninformationen und gibt einfache Empfehlungen für den nächsten Schritt im Vertriebsprozess. Die besondere Stärke von Copper liegt in der Automatisierung ohne hohen Pflegeaufwand, vor allem für Teams, die stark mit Google Workspace arbeiten.
So wählst du das richtige KI-CRM aus
Bei der Auswahl eines KI-CRMs kommt es nicht auf möglichst viele Funktionen an, sondern vielmehr darauf, wie gut das System zu deinem Unternehmen passt. Diese Punkte helfen dir bei der Entscheidung:
- Ziele festlegen: Definiere klar, was du mit dem KI-CRM erreichen willst – etwa bessere Lead-Priorisierung, schnelleren Support oder weniger manuelle Arbeit.
- Einsatzbereich klären: Prüfe, welche Teams das CRM-System hauptsächlich nutzen und ob der Fokus eher auf Vertrieb, Marketing, Service oder kooperativem Arbeiten liegt.
- Datenbasis einschätzen: Überlege, wie viele strukturierte Kundendaten bereits vorhanden sind und ob die KI darauf sinnvoll aufbauen kann.
- Integrationen prüfen: Stelle sicher, dass sich die CRM-Software gut mit bestehenden Systemen wie deinem Shop-System, ERP oder Marketing-Tools verbinden lässt.
- KI-Transparenz beachten: Achte darauf, dass Empfehlungen der KI für deinen Fall abbildbar und im Alltag gewinnbringend sind.
- Datenschutz berücksichtigen: Kläre, wie Daten verarbeitet werden und ob das CRM zu deinen rechtlichen Anforderungen passt.
- Skalierbarkeit bedenken: Wähle ein System, das mit deinem Unternehmen wachsen kann und für dein Team gut erlernbar ist.
Das richtige KI-CRM ist nicht zwangsläufig das leistungsstärkste, sondern eines, das konkret zu deinen Zielen, Prozessen und Ressourcen passt und im Alltag echten Nutzen bringt. Eine strukturierte Auswahl hilft dir, langfristig effizienter zu arbeiten und Kundenbeziehungen damit gezielt weiterzuentwickeln.
Vorteile von KI im Customer Relationship Management
Der Einsatz von künstlicher Intelligenz im CRM-System kann sich direkt auf deine Effizienz, Qualität und die Skalierbarkeit deiner Kundenbeziehungen auswirken:
- Höhere Abschlussquoten im Vertrieb: KI stellt die vielversprechendsten Kontakte mehr in den Fokus. Vertriebsmitarbeitende investieren ihre Zeit gezielter in Leads mit hoher Kaufwahrscheinlichkeit, was die Conversion-Rate messbar erhöht.
- Kürzere Reaktions- und Bearbeitungszeiten: Anfragen werden automatisch priorisiert und weitergeleitet. Das sorgt für schnellere Antworten im Kundenservice und reduziert Wartezeiten entlang der Customer Journey.
- Konsistente Entscheidungen auf Datenbasis: Statt Bauchgefühl bestimmen datenbasierte Empfehlungen die nächsten Schritte. Entscheidungen werden dadurch in allen Bereichen nachvollziehbarer und weniger fehleranfällig.
- Bessere Skalierbarkeit bei wachsendem Kundenstamm: KI-gestützte Automatisierungen ermöglichen es, mehr Kund:innen zu betreuen, ohne proportional mehr Personal einzusetzen. So behalten Mitarbeitende auch bei steigendem Volumen immer den Überblick.
- Reduzierung manueller Fehler: Die automatisierte Pflege und Auswertung von Daten senkt das Risiko von falschen Zuordnungen, veralteten Informationen oder inkonsistenten Datensätzen und minimiert damit teure Fehlschlüsse durch das CRM-System.
- Höhere Kundenzufriedenheit und -bindung: Zeitlich passende und durch Personalisierung relevante Interaktionen sorgen für ein besseres Kundenerlebnis. Kund:innen fühlen sich so verstanden und bleiben langfristig treu.
- Schnellere Einarbeitung neuer Teammitglieder: KI-gestützte Empfehlungen und automatisierte Prozesse geben Orientierung im Arbeitsalltag. Neue Mitarbeitende finden sich schneller im CRM zurecht und arbeiten früher produktiv.
Mit all diesen Vorzügen kann künstliche Intelligenz im Kundenbeziehungsmanagement nicht nur Prozesse verbessern, sondern leistet auch einen direkten Beitrag zu nachhaltigem Unternehmenswachstum und langfristig stabilen Kundenbeziehungen.
In diesem Video (auf Englisch) zeigen wir dir 6 Wege, um die Kundenbindung und erneute Käufe zu fördern:
Herausforderungen von KI für CRMs
Der größte Mehrwert von KI im CRM entsteht nicht durch die reine Möglichkeit, Technologie zur Vereinfachung zu nutzen. Das eigentliche Ziel sollten immer saubere Daten, klare Prozesse und Teams sein, die die KI sinnvoll in ihren Arbeitsalltag integrieren. Auf dem Weg dahin, gibt es einige Herausforderungen, die du bei der Einführung realistisch einplanen solltest:
- Datenqualität: KI kann nur so gut arbeiten wie die Daten, auf denen sie basiert. Unvollständige, veraltete oder inkonsistente Kundendaten führen auch bei künstlicher Intelligenz leichter zu unzuverlässigen Empfehlungen oder falschen Priorisierungen. In der Praxis bedeutet das: Ohne klare Prozesse für Datenpflege und -strukturierung bleibt der Mehrwert von KI begrenzt.
- Akzeptanz im Team: Wenn Mitarbeitende nicht nachvollziehen können, warum die KI bestimmte Vorschläge macht, entsteht schnell Skepsis. KI im CRM funktioniert am besten, wenn ihre Vorgehensweise verstanden wird und sie als Unterstützung, anstatt als „Black Box“ gesehen wird, die nicht-hinterfragbare Entscheidungen vorgibt.
- Datenschutz und rechtliche Anforderungen: Gerade bei KI-CRMs, die große Mengen personenbezogener Daten analysieren oder verarbeiten, solltest du sicherstellen, dass alle Prozesse transparent und rechtskonform ablaufen. Das betrifft sowohl die Speicherung als auch die Nutzung der Daten für Trainings- oder Analysezwecke.
- Einführungsaufwand: KI-CRMs versprechen zwar schnelle Effekte, erfordern aber initial Zeit für Konfiguration, Schulung und Anpassung an bestehende Prozesse. Klare Verantwortlichkeiten und realistische Erwartungen sind der Schlüssel, um langfristige Produktivitätssteigerungen erzielen zu können.
Lesetipp: In diesem Beitrag zeigen wir dir, wie du Mobile CRM für Smartphones und Tablets nutzt.
Fazit: KI-CRM als nächstes Level im Kundenbeziehungsmanagement
Künstliche Intelligenz kann viele Schwierigkeiten lösen, die CRM-Systeme lange Zeit mit sich brachten. Sie sollte Mitarbeitende nicht ersetzen, sondern hilft diesen dabei den Überblick zu behalten und die richtigen Schlüsse zu ziehen. So gelingt eine produktive, zielgerichtete Kundenansprache.
Wer es also schafft, eine hohe Datenqualität zu wahren und die KI gleichzeitig bewusst im Rahmen der Datenschutzregelungen in den Arbeitsalltag einzubinden, hat langfristig die Möglichkeit, die Effizienz im Umgang mit Kunden auf ein neues Level zu heben.





