Eine Abmahnung deines Onlineshops gehört zu den größten Risiken im E-Commerce. Schon kleine Fehler auf Webseiten oder in Rechtstexten können ausreichen. Für viele Onlinehändler:innen kommt eine Abmahnung überraschend und sorgt für Unsicherheit, Kosten und rechtlichen Druck. Umso wichtiger ist es, die häufigsten Abmahngründe zu kennen und deinen Onlineshop von Anfang an rechtssicher aufzustellen.
Was ist eine Abmahnung?
Eine Abmahnung deines Onlineshops ist eine formelle Aufforderung, einen Rechtsverstoß im Onlinehandel zu unterlassen. Sie wird meist von Wettbewerbszentralen, Verbraucherschutzverbänden oder Rechteinhaber:innen ausgesprochen und ist häufig mit einer Unterlassungserklärung verbunden.
Eine Abmahnung wegen eines Onlineshops bezieht sich fast immer auf einen konkreten Abmahngrund. Dabei geht es um Verstöße gegen Wettbewerbsrecht, Informationspflichten oder andere Vorgaben aus dem E-Commerce-Recht. Ziel ist es, unlautere Wettbewerbsvorteile zu verhindern und gleiche Bedingungen für alle Onlineshop-Betreiber:innen zu schaffen.
Warum sind Onlineshops besonders abmahngefährdet?
Onlineshops sind öffentlich zugänglich, leicht überprüfbar und unterliegen zahlreichen gesetzlichen Vorgaben. Jede Seite, jeder Link und jede Werbeaussage können geprüft werden. Gleichzeitig ändern sich Rechtsprechung und gesetzliche Anforderungen schnell, was es für Betreiber:innen schwierig macht, dauerhaft rechtssicher zu bleiben.
Als Onlinehändler:in hast du viele Informationspflichten gegenüber deinen Kund:innen, die den Verbraucherschutz gewährleisten sollen. Zusätzlich kommen komplexe Regelungen im Wettbewerbsrecht hinzu, die schnell zu Abmahnungen durch den Händlerbund oder Branchenverbände führen können. Auch technische Fehler bei Tracking-Tools oder Cookie-Consent-Tools können deinem Onlineshop zum Verhängnis werden und dir eine Abmahnung einbringen.
Gerade kleine Unternehmen und neue Verkäufer:innen im Internet sind häufig betroffen, weil Ressourcen für eine rechtliche Prüfung fehlen.
Häufige Abmahngründe im Onlinehandel
Die meisten Abmahnungen lassen sich auf wiederkehrende Fehler zurückführen. Wenn du diese Abmahngründe kennst, kannst du gezielt vorbeugen.
Fehler im Impressum
Ein unvollständiges oder fehlerhaftes Impressum gehört zu den klassischen Gründen für eine Abmahnung. Häufig fehlen der vollständige Name des Unternehmens, eine ladungsfähige Adresse oder eine gültige E-Mail-Adresse. Auch bei den Angaben zu Rechtsform und den Vertretungsberechtigten kommt es schnell zu Auslassungen.
Schon eine veraltete Information kann als Rechtsverstoß gewertet werden. Achte also darauf, deine Informationen jederzeit aktuell zu halten.
Unvollständige oder falsche Widerrufsbelehrung
Die Widerrufsbelehrung ist für dich als Onlinehändler:in eine verpflichtende Angabe: Ein fehlendes oder falsch eingebundenes Widerrufsformular kann also ein Abmahngrund sein. Fehler entstehen außerdem oft durch veraltete Texte, die nicht mehr mit aktuellen Rechtsvorschriften konform sind. Auch widersprüchliche Angaben zu Fristen oder falsche Hinweise zum Rückversand von Paketen stellen ein Risiko dar.
Fehlende oder fehlerhafte AGB
AGB sind zwar nicht immer verpflichtend, aber im Onlinehandel praktisch unverzichtbar. Typische Fehler dabei sind unzulässige Klauseln, die fehlende Anpassung an das eigene Geschäftsmodell oder widersprüchliche Regelungen zum Verkauf oder zur Lieferung. Nicht nur können fehlerhafte AGB zu Abmahnungen führen, sie können auch schnell Streitigkeiten mit Kund:innen nach sich ziehen.
Datenschutz und Datenschutzerklärung
Seit Einführung der DSGVO ist unzureichender Datenschutz eine der größten Abmahnfallen. Häufige Verstöße sind eine fehlende oder unvollständige Datenschutzerklärung oder ein fehlendes Cookie-Consent-Tool. Achte zudem darauf, Tracking-Tools nur zu nutzen, wenn du die Besucher:innen deines Onlineshops umfangreich darüber aufgeklärt und deren Zustimmung eingeholt hast. Auch die Verarbeitung von E-Mail-Daten ohne Einwilligung der Betroffenen ist nicht gestattet und kann zu Abmahnungen führen. Datenschutzverstöße gelten als schwerwiegend und verursachen hohe Kosten.
Urheberrecht und Design
Bilder, Texte, Videos oder das Design eines Onlineshops sind oft urheberrechtlich geschützt. Abmahnungen entstehen durch die unentgeltliche Nutzung fremder Produktbilder, kopierte Artikelbeschreibungen oder eingebundene Videos, über deren Rechte du nicht verfügst. Die unzulässige Verwendung fremder Logos kann außerdem zu Verstößen gegen Markenrechte führen. Urheberrechtsverletzungen zählen zu den teuersten Abmahngründen.
Werbung und Wettbewerbsrecht
Im Wettbewerbsrecht geht es um faire Bedingungen im Onlinehandel. Abmahnungen entstehen unter anderem durch irreführende Werbung, falsche Preisangaben, fehlende Grundpreise oder Verstöße gegen §8 UWG. Auch Aussagen deines Unternehmens auf Social Media oder in verlinkten Inhalten können Basis für eine Abmahnung sein.
Produktkennzeichnung und besondere Waren
Bestimmte Produkte unterliegen zusätzlichen Informationspflichten. Dazu gehören Lebensmittel, Kosmetik, Elektrogeräte oder E-Zigaretten. Fehlende Angaben oder falsche Kennzeichnungen sind ein häufiger Grund für Abmahnungen im Internet.
Wer mahnt Onlinehändler:innen ab?
Eine Abmahnung geht meist von drei Gruppen aus: Wettbewerber:innen, Verbänden oder Rechteinhaber:innen. Häufig sind es andere Onlinehändler:innen, die im gleichen Markt tätig sind und sich auf das Wettbewerbsrecht nach § 8 UWG berufen. Sie mahnen ab, wenn sie durch fehlerhafte Werbung, unvollständige Informationen oder Verstöße gegen Informationspflichten einen unfairen Vorteil im Wettbewerb sehen.
Daneben sind auch Wettbewerbs- und Verbraucherschutzverbände abmahnberechtigt. Diese verfolgen das Ziel, Rechtssicherheit im E-Commerce durchzusetzen und typische Abmahngründe wie Fehler im Impressum, in der Widerrufsbelehrung oder im Datenschutz zu unterbinden. Zusätzlich treten Markeninhaber:innen und Urheber:innen auf den Plan, wenn geschützte Marken, Bilder, Texte oder Designs ohne Erlaubnis genutzt werden. Unabhängig von der abmahnenden Instanz gilt: Jede Abmahnung sollte ernst genommen und rechtlich geprüft werden, da sie fast immer mit Kosten und einer Unterlassungserklärung verbunden ist.
Abmahnung erhalten: Was tun?
Wenn du eine Abmahnung erhalten hast, solltest du besonnen handeln. Wichtige Schritte dafür sind, eine Rechtsanwältin bzw. einen Rechtsanwalt einzuschalten und den Vorwurf genau prüfen zu lassen. Stelle dabei sicher, die Fristen einzuhalten, die auf der Abmahnung angegeben sind. Verzichte außerdem darauf, voreilig Kontakt mit der abmahnenden Person aufzunehmen. Von besonderer Bedeutung ist dein Umgang mit der Unterlassungserklärung.
Unterlassungserklärung abgeben – ja oder nein?
Mit der Unterlassungserklärung verpflichtest du dich, den beanstandeten Verstoß künftig zu unterlassen. Eine voreilig unterschriebene Erklärung kann allerdings langfristige Risiken bergen, da sie oft hohe Vertragsstrafen enthält.
Lasse die Erklärung vor dem Unterschreiben von einer Anwältin oder einem Anwalt auf Verhältnismäßigkeit prüfen und anpassen. In vielen Fällen ist eine modifizierte Unterlassungserklärung sinnvoller.
Kosten und Risiken einer Abmahnung
Die Kosten einer Abmahnung setzen sich meist aus mehreren Faktoren zusammen. In erster Linie siehst du dich hier oft mit Vertragsstrafen konfrontiert, die sich bereits auf mehrere tausend Euro belaufen können. Zudem hast du die entstandenen Kosten für die Rechtsanwält:innen zu tragen. Auch der Aufwand für eine Korrektur deiner Website oder deines Onlineshops kann Kosten nach sich ziehen.
Je nach Abmahngrund können schnell mehrere hundert oder tausend Euro zusammenkommen. Das finanzielle Risiko einer Abmahnung ist also nicht zu unterschätzen.
Onlineshop-Abmahnung vermeiden
Ein vollständiger Abmahnschutz ist kaum möglich, aber du kannst das Risiko deutlich reduzieren.
Rechtstexte aktuell halten
Nutze aktuelle und auf dein Geschäftsmodell zugeschnittene Rechtstexte. Das beinhaltet eine regelmäßige Prüfung deines Impressums, deiner AGB, der Widerrufsbelehrung und der Datenschutzerklärung auf Aktualität und Vollständigkeit. Wenn du die Möglichkeit hast, lasse die Texte von Jurist*innen prüfen.
Informationspflichten ernst nehmen
Stelle sicher, dass alle gesetzlich vorgeschriebenen Informationen leicht auffindbar sind. Das gilt für vollständige Preisangaben, Versandkosten, Hinweise zum Vertragsabschluss und Kontaktmöglichkeiten. Deine Kund:innen haben außerdem ein Recht auf die wesentlichen Produktinformationen.
Datenschutz und technische Aspekte prüfen
Auch technische Fehler können zu Rechtsverstößen führen. Achte auf ein korrektes Cookie-Consent-Tool und sichere Kontaktformulare. Auch der datenschutzkonforme Einsatz von Tracking-Tools ist von wesentlicher Bedeutung. Speichere keine Daten ohne die Einwilligung deiner Kund:innen und sorge dafür, dass erhobene Kontaktdaten vor fremdem Zugriff geschützt sind.
Inhalte selbst erstellen
Eigene Texte, Bilder, Videos und Musik reduzieren das Risiko von Urheberrechtsverletzungen erheblich. Vermeide es, Inhalte von anderen Webseiten zu übernehmen, und achte auch bei der Verwendung von Stockfotos darauf, dass diese für gewerbliche Zwecke eingesetzt werden dürfen.
Regelmäßige Kontrolle
Rechtsprechung und Gesetze ändern sich. Plane regelmäßige Prüfungen deines Onlineshops ein, um neue Abmahngründe frühzeitig zu erkennen.
Verlasse dich nicht auf dein Shopsystem
Shopsysteme können dich unterstützen, ersetzen aber keine rechtliche Prüfung. Sie bieten technische Grundlagen, doch für Inhalte, Angaben und Rechtssicherheit bleibst du als Betreiber:in verantwortlich. Besonders bei der Erstellung neuer Seiten, Artikel oder Marketingkampagnen entstehen schnell neue Risiken, die es erneut zu prüfen gilt.
Abmahnungen im Zusammenhang mit Social Media
Auch Auftritte auf Social Media sind abmahnfähig. Häufige Fehler sind ein fehlendes Impressum auf einem gewerblich genutzten Kanal, irreführende Werbung oder nicht gekennzeichnete Werbelinks.
Sobald du einen Social-Media-Kanal nicht ausschließlich als Privatperson nutzt oder dieser mit deinem Onlineshop verknüpft ist, solltest du diesen rechtssicher gestalten.
Fazit
Eine Abmahnung ist kein seltenes Ereignis, sondern ein häufiges Risiko im Onlinehandel. Die meisten Abmahnungen entstehen durch vermeidbare Fehler bei Informationen, Rechtstexten oder der Werbung. Wenn du allerdings die typischen Abmahngründe kennst, deine Seiten regelmäßig prüfst und rechtliche Entwicklungen im Blick behältst, kannst du dein Risiko deutlich reduzieren.
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